Kunst für die Gemeinschaft

thomaslaehns

Wenn Sigrid Schrumpf vor die Staffelei tritt, hat sie oft noch keine konkrete Vorstellung von dem, was da gleich entstehen wird. Es ist weniger ein Bild, das aus ihrem Inneren nach außen dringt, als vielmehr ein Gefühl. Stück für Stück verleiht die Fichtenwalder Künstlerin den Farben Struktur – mit Pinsel, Spachtel oder manchmal sogar einem Kamm. Interpretieren muss das Ergebnis dann jeder für sich. Aber er muss auch bereit sein, sich auf abstrakte Malerei einzulassen.

Zur Fichtenwalder Kunstmeile beim diesjährigen Sommerfest Viva la Fiwa öffnet Sigrid Schrumpf am 15. und 16. Juli jeweils von 13 bis 17 Uhr die Türen zu ihrem Atelier. An der beliebten Aktion beteiligen sich in diesem Jahr wieder sieben Künstler und Künstlerinnen aus dem Ort und ergänzen damit das Programm aus Sport, Familienaktionen, Sommermarkt und Musik. „Die Kunstmeile ist eine tolle Gelegenheit, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, findet Sigrid Schrumpf. „So etwas bringt die Nachbarschaft zusammen und wir als Aussteller bekommen eine Reaktion auf unsere Arbeiten.“

Dass nicht jeder etwas mit abstrakter Kunst anfangen kann, das hat Sigrid Schrumpf bei solchen Gelegenheiten auch schon erfahren. „So manch einer hat konkrete Erwartungen an Kunst – und schränkt sich dadurch selbst ein“, erläutert die Malerin, die vor 21 Jahren mit ihrem Mann von Berlin nach Fichtenwalde gezogen ist. Vor allem bei Erwachsenen sei das so, Kinder seien viel offener. „Es ist erstaunlich, was sie in meinen Bildern sehen“, sagt Sigrid Schrumpf. Tiere, Köpfe oder sogar ein Feuerschiff haben ihre Enkel schon aus ihren Werken „herausgelesen“.

Sigrid Schrumpf hat schon immer gern gemalt – allerdings sehr ungestüm, wie sie erzählt. Ihr Vater – selbst Künstler – hatte ihr diese Leidenschaft wohl deshalb immer etwas madig gemacht. „Er hat sehr realistische Bilder gemalt, fast schon pedantisch.“ Und so ruhte der Drang zu Malen bei ihr eine ganze Weile. 45 Jahre arbeitete Frau Schrumpf als Bilanzbuchhalterin, erst relativ spät fand sie zurück zur Malerei: Als auch ihre Tochter eine Neigung dazu entwickelte, nahmen beide Privatunterricht. Und nachdem sie in Ruhestand gegangen war, nahm Sigrid Schrumpf ein fünfjähriges Studium an einer Privatakademie in Berlin auf.

Es folgten mehrere Ausstellungen in Berlin, Innsbruck und Zürich. Schon während des Studiums hat sich Sigrid Schrumpf die gesamte Bandbreite der Malerei erschlossen – was das Material als auch die Technik angeht. Und so haben sich über die Jahre viele Schätze angesammelt in ihrem Atelier in Fichtenwalde: Drucke, Acrylbilder, Kohle- und Tuschezeichnungen. Ihr sind die farbigen Bilder die liebsten, die abstrakten, die so herrlich offen für Interpretationen sind.

Einen Teil des Bestandes wird Sigrid Schrumpf nun während des Fichtenwalder Sommerfestes für wohltätige Zwecke an Kunstliebhaber abgeben: Rund hundert Bilder auf Papier können für einen freiwilligen Betrag erworben werden. Die Erlöse gehen an die Kita „Borstel“ oder den Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr. Wofür er sein Geld geben wird, entscheidet der Käufer selbst, indem er in die jeweilige versiegelte Spendenbüchse einzahlt.

„Ich wollte nie für Geld malen“, sagt Sigrid Schrumpf. Und erzählt eine passende Anekdote: Als vor einigen Jahren bei der Kunstmeile ein Mädchen vor einem ihrer Bilder stehen blieb und ganz gefesselt davon war, wollte sie es ihr schenken. Das Kind aber bestand darauf, für das Bild etwas zu geben und holte ein paar Euro von ihren Eltern. „Das hat mir ihre Wertschätzung dann umso stärker gezeigt“, berichtet die Malerin. Und setzt hinzu: „Wenn ich nur einen von hundert Menschen so berühren kann, hat sich die Arbeit gelohnt.“

Das Atelier von Sigrid Schrumpf befindet sich im Pappelweg 20. Infos über ihre Arbeiten unter www.sigrid-schrumpf.de  

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